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2015-07-11 Achtundzwanzigster Tag Coulanges-sur-Yonne

Die Planung zu dieser Etappe findest Du nirgends. Mein neuer Routenverlauf führt – statt über die Berge direkt zur Loire – jetzt über einen schönen Umweg auf Radwegen an den Kanal- und Flusslandschaften der Bourgogne entlang zur Loire.

Etappe Champs-Sur-Yonne – Coulanges-Sur-Yonne

1.000 km heute überschritten

Die 1.000 km Marke habe mit dem Fahrrad und aus eigener Kraft heute irgendwo bei Prégilbert überschritten.

Tatsächliche Route vom 11.07.2015
Tageskilometer: 46 km
Streckenabschnitt (mit dem Fahrrad) insgesamt: 1.030 km.

Gesamtstrecke: 45553 m
Maximale Höhe: 157 m
Minimale Höhe: 100 m
Gesamtanstieg: 409 m
Gesamtabstieg: -366 m
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My Camino

Das Wetter ist sehr schön. Die Hotels an der Loire sind wohl weitgehend an diesem Wochenende ausgebucht. Alle angefragten Hotels: „Wir sind ausgebucht, tut mir leid“ „complet, désolé„. So hab ich mir gestern Nacht einen anderen Routenverlauf überlegt.

Ich fahre den Canal du Nivernais entlang. Dieser Kanal verläuft parallel zum Fluss L’Yonne, hat wunderschöne handbetriebene Staustufen und einen perfekten Radweg.

Der Radweg führt praktisch direkt am Hotel vorbei. So ist er schnell gefunden. Ich komme bei angenehmen 25 °C sehr gut voran. Ein Hotel habe ich nicht vor gebucht  und gehe davon aus, dass ich unterwegs ab 40 km Tagesstrecke anfange zu suchen. Da dieses Gebiet touristisch weniger erschlossen ist, sollte ich hier auch am Wochenende in einem der kleinen Orte ein Zimmer „chambre“  finden.

Ich finde die Strecke sehr schön. Ein Radweg, keine Autos, keine Berge.  Die Strecke ist flach nur an den Kreuzungspunkten kleine Auffahrten zu den Brücken und Stopp-Schildern für den querenden Verkehr. Gelegentlich habe ich Gegenwind. Nach 12 km bis 15 km mache ich jeweils Trinkpausen.  In den Dörfern verlasse ich manchmal den Radweg und fahre zur Kirche. Einige sind heute am Samstag sogar auf. Und neben der Kirche findet man auch in Frankreich auch manchmal ein offenes Wirtshaus zum Durst löschen.

Drei Lieder gingen mir heute auf dem Rad unentwegt durch den Kopf: „Von guten Mächten …“, „Mögen die Straßen …“ und „Ehre sei Gott und den Menschen Frieden …“ – Der Kirchentag Stuttgart 2015 und seine Nachwirkungen …

An dieser Strecke gibt’s heute junge Schleusenwärter und auch Schleusenwärterinnen bei Ihrer Arbeit zu bestaunen. Auf dieser Pilgerreise wird mir immer mehr bewusst, das Frankreich neben seinen Flüssen auch ein riesiges, intaktes Wasserkanalnetz hat.

Zum Schluss des Tages eine Umleitung über einen Hügel. Dann laufe ich einen größeren Campingplatz an. In dem Imbiss am Kanal mache ich Mittag. Beim Bezahlen frage ich die Kellnerin nach einem Hotel in der Nähe. Die Antwort: Über die Brücke und geradeaus. Und Volltreffer: Ein Dorfbrunnen mit Hotel. Mein Zimmer ist klein aber fein, frisch renoviert und klimatisiert. Die Dusche ist groß. WiFi sowieso. In dem Dorf leben ca. 550 Menschen.

Schon wieder eine schöner Tag – übrigens der achtundzwanzigste schöne Tag! Morgen geht’s weiter den Radweg entlang.

Bilder des Tages

2015-07-10 Siebenundzwanzigster Tag Champs-Sur-Yonne

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Chablis – Champs-Sur-Yonne

Tatsächliche Route vom 10.07.2015

Tageskilometer: 23 km
Streckenabschnitt (mit dem Fahrrad) insgesamt: 984 km

Gesamtstrecke: 22829 m
Maximale Höhe: 334 m
Minimale Höhe: 105 m
Gesamtanstieg: 332 m
Gesamtabstieg: -353 m
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My Camino

Heute Nacht hat es sich erneut angenehm abgekühlt. Gegen Morgen musste ich mich sogar zudecken und das offene Fenster schließen. So was hatte ich schon lange nicht. Da heute wieder eine kurze Strecke geplant ist, lasse ich es langsam angehen.

Nach dem Frühstück mit frischen Waldfrüchten schaue ich noch bei Touristen-Information vorbei und lasse mir einen „tampon“ in meinen Pilgerausweis drücken. Es ist mittlerweile 9:45 Uhr bevor ich los radele.

Ähnlich wie gestern, geht’s sofort und ständig bergauf. Die ersten 6,3 km fahre ich gut ausgeruht den permanenten Anstieg durch. Kurz vor dem Dorf Courgis steige ich aber ab und schiebe die nächsten 2,5 km. Ich wähle den Weg durchs Dorf. Am Ende der Siedlung kann ich an einer offenen Wasserstelle trinken, mich frisch machen und die Wasservorräte wieder ergänzen. Die Aussichten sind grandios. Weites Land. Weinberg an Weinberg. Der Himmel ist blau, ohne ein Wölkchen. Mittlerweile sind es auch wieder knapp 30° C. Irgendwann ist auch diese Kuppe erreicht. Von nun an geht’s bergab. Sehr erholsam. Erinnert alles etwas an gestern. Da hatte das Streckenprofil einen sehr ähnlichen Verlauf.

Die D62 hat einen guten Belag und wenig Verkehr, lässt sich also sehr gut fahren. Wie hier bei fast allen Straßen, muss man jedoch vor großen Schlaglöchern auf der Hut sein. Die können überall jeden Moment auftauchen, ist vorher die Decke auch noch so gut. Aber das habe ich ja die letzten 22 Tage täglich üben können. Es gibt hier außerdem meistens keinen Randstreifen. Der Belag ist oft am Rand unterspült und an der Bruchkante sind 10 cm bis 15 cm Absatz eher die Regel als die Ausnahme. Behält man diese beiden Aspekte immer im Blick ist die Streckenbeschaffenheit sehr gut.

Landschaftlich ist diese Fahrt sehr, sehr schön. Weinberg reiht sich an Weinberg. Auch die Dorfdurchfahrten mit Ihren Weingütern, Kirchen und Schlössern sind eine Augenweide.

Als der höchste Punkt überwunden ist geht’s immer bremsbereit rasant über viele km bergab. Alsbald bin ich Champs-Sur-Yonne. Nahe des Flusses L’Yonne häufen sich parkende Handwerker und Servicefahrzeuge vor einem Restaurant. Hier muss das Essen gut sein. Auch ich mache hier 1 km vor dem heutigen Hotel Mittagspause. Volltreffer: Vorspeisen („entrée„) vom Buffet, Hauptgericht („plat„)  gegrillter Schinken („jambon, cuit sur le gril„) mit grünen Bohnen („haricots verts„) und Bratkartoffeln („pommes de terre sautées„), Nachspeise Honig- und Wasser-Melone („melone,  pastèque„) vom Buffet. Das ganze Menü für schlappe 13,- € und zu dem sehr raffiniert zubereitet und wohlschmeckend – ein echter Genuss. Zwischendurch natürlich kaltes Wasser und zum Schluss einen großen Kaffee – eine schöne Mittagspause und überhaupt wieder einmal ein sehr schöner Tag!

Das Hotel ist nach dem sehr guten Mittagessen über den Fluß L’Yonne  schnell erreicht. Mein Zimmer Nr. 3 ist ein kleiner aber feiner klimatisierter Bungalow. Mein Fahrrad parkt direkt am Eingang. Gartennutzung mit Liegestühlen. Vom Fahrrad-Gepäckträger zur Kofferablage im Zimmer sind es heute nur 2 m. Mir geht es gut und alles ist wunderbar.

Bis zum Fluss Loire sind es jetzt noch Luftlinie ca. 50 km, allerdings mit mehreren etwas gewaltigeren Höhenzügen. Die zwei Etappen dorthin will ich mir heute Abend überlegen und planen. Eventuell fahre ich auch erst noch ein Stück den Fluss L’Yonne auf dem Radweg V51 entlang.

Bilder des Tages