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2015-07-12 Neunundzwanzigster Tag Chatillon-en-Bazois

Die Planung zu dieser Etappe findest Du nirgends. Auch heute geht’s weiter dem Canal du Nivernais Richtung Loire entlang.
Den gesamten realen Verlauf des Streckenabschnitts findest Du hier.

Etappe Coulanges-sur-Yonne – Chatillon-en-Bazois

Tatsächliche Route vom 12.07.2015
Tageskilometer: 78 km
Streckenabschnitt (mit dem Fahrrad) insgesamt: 1.108 km.

volle Distanz: 77706 m
Maximale Höhe: 290 m
Minimale Höhe: 118 m
Gesamtanstieg: 686 m
Gesamtabstieg: -563 m
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My Camino

Beim Frühstück sitzt e in flämisches Pärchen mit am großen Tisch. Beide sind gestern quasi gemeinsam mit mir angekommen. Sie sind vom Mittelmeer auf der Rückreise nach Brüssel. Sie fragen nach meiner Pilgerreise, sind sehr interessiert und wir kommen ins Gespräch …

Bereits um 8:15 Uhr starte ich heute. An dieser kleinen wunderbaren Wasserstraße Nivernais entlang, – statt über die Berge – zur Loire zu fahren ist eine Superidee. Die Strecke ist auch heute fantastisch. An jeder Staustufe steht ein kleines Häuschen für die Kurbler. Auffallend ist: Sind im Vorgarten dieser Häuser aus der Zeit 1825 bis 1835 viel Blumen oder ist das Haus bunter als sonst, steht an der Kurbel meist eine Frau.

Auch gestern habe ich mich gefragt, warum die Schleusenwärterinnen nicht auch Getränke anbieten. Heute ist es soweit: Zwischen Kanal und L’Yonne ist passend zur Mittagszeit in einem der besagten Häuschen ein Restaurant. Ich nehme die Tages Empfehlung: Muscheln.

Außerdem fällt mir am heutigen Sonntag auf, hier scheinen mehr Frauen als Männer zu angeln.

Bei 40 Tageskilometer gibt’s den ersten Hinweis auf eine Unterkunft. Das ist mir aber heute noch zu früh. Ich will noch bis zu 20 km fahren. Auf dem Weg bis Baye sollte sich was finden lassen.

Das war aber nix. Wenig Orte bis dahin und schon gar keine Hotels. 10 km vor Baye ist direkt am Kanal eine Touristeninformation. Meine Frage nach einem Zimmer  wird mit Prospekten beantwortet. Leider liegen aber die meisten Unterkünfte schon hinter mir oder weit vor mir. Ich denke, na ja in Baye werd ich bestimmt fündig.

Auf dem Weg nach Baye geht’s tatsächlich noch mal richtig gut bergauf. Alle paar 100 Meter ist hier eine Staustufe. Erstaunlich, was sich die Ingenieure da vor über 200-250 Jahren ausgedacht und realisiert haben. 32 Schleusen bergauf bis zur Wasserscheide Baye und dann 78 Schleusen bergab.

In Baye sind 62 km hinter mir und allerdings die Unterkünfte voll. Es sei denn man hätte ein Zelt dabei. Gut das ich gestern den für Morgen geplanten Routenabschnitt schon in den Navi geladen habe. Also kurze Trinkpause und die neue Etappe aufrufen. Los geht’s: Au Backe der nächste größere Ort ist Chatillon-en-Bazis – mal eben 16 km weiter. Die Strecke sollte aber gut laufen. Es geht tendenziell bergab, das hab ich noch von der Planung und Sichtung des Höhenprofils in Erinnerung. Nur allmählich tut der A***h weh. Na gut nicht entmutigen lassen und rein in die Pedale. Immer schon mal schauen, wo sich dann mein Biwak-Schlafsack gut platzieren lässt. 😉

Der Radweg führt nach 16 km direkt durch den Ort. Gleich an der Kreuzung ein Hinweis auf ein Hotel. Erst mal in der Bar an der Kreuzung was Kaltes trinken. Ich frage den Wirt nach einer Unterkunft. Er deutet auf ein B&B-Quartier eine Querstraße weiter. Und – ich bekomme das letzte freie komfortable und gut riechende Zimmer. Prima! Erst mal duschen und dann den Popo entspannen.

Fazit: ein schöner Tag; aber um die Berge kommt auch ein Kanal nicht drum rum, er braucht halt nur 110 (!) Schleusen.

Bilder des Tages

2015-07-11 Achtundzwanzigster Tag Coulanges-sur-Yonne

Die Planung zu dieser Etappe findest Du nirgends. Mein neuer Routenverlauf führt – statt über die Berge direkt zur Loire – jetzt über einen schönen Umweg auf Radwegen an den Kanal- und Flusslandschaften der Bourgogne entlang zur Loire.

Etappe Champs-Sur-Yonne – Coulanges-Sur-Yonne

1.000 km heute überschritten

Die 1.000 km Marke habe mit dem Fahrrad und aus eigener Kraft heute irgendwo bei Prégilbert überschritten.

Tatsächliche Route vom 11.07.2015
Tageskilometer: 46 km
Streckenabschnitt (mit dem Fahrrad) insgesamt: 1.030 km.

volle Distanz: 45553 m
Maximale Höhe: 157 m
Minimale Höhe: 100 m
Gesamtanstieg: 409 m
Gesamtabstieg: -366 m
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My Camino

Das Wetter ist sehr schön. Die Hotels an der Loire sind wohl weitgehend an diesem Wochenende ausgebucht. Alle angefragten Hotels: „Wir sind ausgebucht, tut mir leid“ „complet, désolé„. So hab ich mir gestern Nacht einen anderen Routenverlauf überlegt.

Ich fahre den Canal du Nivernais entlang. Dieser Kanal verläuft parallel zum Fluss L’Yonne, hat wunderschöne handbetriebene Staustufen und einen perfekten Radweg.

Der Radweg führt praktisch direkt am Hotel vorbei. So ist er schnell gefunden. Ich komme bei angenehmen 25 °C sehr gut voran. Ein Hotel habe ich nicht vor gebucht  und gehe davon aus, dass ich unterwegs ab 40 km Tagesstrecke anfange zu suchen. Da dieses Gebiet touristisch weniger erschlossen ist, sollte ich hier auch am Wochenende in einem der kleinen Orte ein Zimmer „chambre“  finden.

Ich finde die Strecke sehr schön. Ein Radweg, keine Autos, keine Berge.  Die Strecke ist flach nur an den Kreuzungspunkten kleine Auffahrten zu den Brücken und Stopp-Schildern für den querenden Verkehr. Gelegentlich habe ich Gegenwind. Nach 12 km bis 15 km mache ich jeweils Trinkpausen.  In den Dörfern verlasse ich manchmal den Radweg und fahre zur Kirche. Einige sind heute am Samstag sogar auf. Und neben der Kirche findet man auch in Frankreich auch manchmal ein offenes Wirtshaus zum Durst löschen.

Drei Lieder gingen mir heute auf dem Rad unentwegt durch den Kopf: „Von guten Mächten …“, „Mögen die Straßen …“ und „Ehre sei Gott und den Menschen Frieden …“ – Der Kirchentag Stuttgart 2015 und seine Nachwirkungen …

An dieser Strecke gibt’s heute junge Schleusenwärter und auch Schleusenwärterinnen bei Ihrer Arbeit zu bestaunen. Auf dieser Pilgerreise wird mir immer mehr bewusst, das Frankreich neben seinen Flüssen auch ein riesiges, intaktes Wasserkanalnetz hat.

Zum Schluss des Tages eine Umleitung über einen Hügel. Dann laufe ich einen größeren Campingplatz an. In dem Imbiss am Kanal mache ich Mittag. Beim Bezahlen frage ich die Kellnerin nach einem Hotel in der Nähe. Die Antwort: Über die Brücke und geradeaus. Und Volltreffer: Ein Dorfbrunnen mit Hotel. Mein Zimmer ist klein aber fein, frisch renoviert und klimatisiert. Die Dusche ist groß. WiFi sowieso. In dem Dorf leben ca. 550 Menschen.

Schon wieder eine schöner Tag – übrigens der achtundzwanzigste schöne Tag! Morgen geht’s weiter den Radweg entlang.

Bilder des Tages