2015-06-28 Fünfzehnter Tag Pont-á-Mousson

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Metz bis Pont-á-Mousson

Tatsächliche Route vom 28.06.2015

Tageskilometer: 36 km
Streckenabschnitt insgesamt: 671 km

Gesamtstrecke: 35774 m
Maximale Höhe: 205 m
Minimale Höhe: 125 m
Gesamtanstieg: 391 m
Gesamtabstieg: -329 m
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My Camino – Buen Camino

Nach dem Aufwachen pauke ich noch ein bisschen „Französisch für die Reise“. Die Tagesetappe heute ist ja nicht so lang. Das Frühstück ist überraschender Weise mit allem Zip und Zap, fast jedenfalls. Neben den französischen Teilen des petit-déjeuner gibt’s tatsächlich auch Schinken, Käse und Baguette. Der grand café ist auch nach meinem Geschmack ein café crema. Einen Apfel nehme ich auf alle Fälle auch noch mit.

Schnell finde ich gegen 9:30 Uhr vom Hotel runter zur Mosel. Die ersten 7 km läuft der Pfad durch eine wunderbare Wald- und Auenlandschaft direkt an der Mosel entlang. An manchen Stellen ist der schmale Pfad sehr crossig. Dementsprechend begegnen mir auch hauptsächlich Mountainbiker und Jogger – eigentlich mehr schicke Joggerinnen. Oft überspannen hier ältere Brücken die Mosel oder die Moselarme. Der Weg wird unter den Brücken oft so schmal, dass ich kaum durchpasse. Diese kurzen Stellen schiebe ich sowieso. Auch die Schlaglöcher und die Baumwurzeln sind nicht ohne. Da muss man halt gut aufpassen. Die Schilder weisen aber immer wieder darauf hin, dass der Pfad für Fußgänger und Fahrräder gedacht ist. Zu einer der zahlreichen kleinen Brücken fahre ich hoch, orientiere mich und genieße die märchenhaft schöne Landschaft. Da trabt von hinten ein Jogger heran, erkennt meine Jacobsmuschel und da kommt es aus voller Kehle: das erste „Buen Camino!“ Ich bin sofort gerührt und so dauert es eine Weile bis ich antworte. Von Metz höre ich dazu das Geläut von Kirchenglocken. Das sind die besonderen Momente meiner Pilgerreise. – Es soll heute nicht das einzige „Buen Camino!“ bleiben und das hier zwischen Metz und Pont-á-Mousson.

Der Pfad endet nach ca. 7 km und wird die nächsten 9 km zum komfortablen Radweg. Da begegnet mir eine Dänin die alleine mit dem Fahrrad und Ihrem Hund im Körbchen am  Lenker unterwegs ist. Sie fragt einen Spanier an einer Weggabelung nach dem besten Weg nach Metz.

An einer Bank mache ich am Moselufer eine Trinkpause und checke mein Handy. Was ist das? eine Nachricht auf der Voice-Mailbox. Die versuche ich abzuhören, weiß aber den Mailbox-Pin nicht. Fordere einen neuen Pin an.  Und endlich höre ich die Sprachnachricht ab. Sie ist vom heutigen Hotel. Das es um meine Reservierung geht und die Öffnungszeiten der Rezeption kann ich aus dem schnellen französischen Sätzen heraus hören und dass ich rückrufen soll. Das mache ich umgehend und so kriege ich raus, dass die Rezeption heute am Sonntag erst um 17 Uhr wieder öffnet. Na ja denke ich,  es gibt schlimmeres damit komme ich klar.  Ich mache noch ein paar Bilder. Da halten zwei Trekking-Radler an und fragen mich in deutsch und französisch woher ich denn komme und wohin ich will. Die beiden sind Vincent und Michele und waren sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad schon auf verschiedenen Abschnitten des Jacobsweges unterwegs. Es entwickelt sich ein längeres Gespräch. Aber Duisburg hatten sie noch nie in ihrem Leben gehört. Ich erkläre das Duisburg nahe bei Köln liegt und dann ist natürlich sofort alles klar. Ich muss an den Französisch-Unterricht in der Volkshochschule mit Anni denken … Michele interessiert sich für den Navi und wie ich damit klar komme. Michele und Vincent wohnen hier in der Nähe und machen ihre Sonntags-Radtour. Als erfahrene Jacobspilger verabschieden sie sich natürlich mit „Buen Camino!

Nach soviel schönen Eindrücken verpasse ich meine nächste Abbiegung und die geplante Moselbrücke. Ich lande auf der Landstraße D657. Die D657 hat zwar keinen Radweg, fährt sich trotz moderater Steigungen sehr gut und hat sehr wenig Verkehr. Als ich meinen Irrtum nach kurzer Zeit bemerke entscheide ich mich auf der Straße zu bleiben und die nächste Brücke zu nehmen. Die ist aber, wie sich herausstellt erst, kurz vor Pont-á-Mousson. So komme ich trotz der Steigungen gut voran und sehe von oben oft auf die Mosellandschaft und die dahinterliegenden Berge.

Einige km vor Pont-á-Mousson nehme ich eine große Moselbrücke und bin wieder nah an meiner geplanten Route. Da ich bis zum Einchecken noch Zeit habe fahre ich direkt auf den Marktplatz. Hier ist heute ein riesiger Markt und es riecht lecker nach Sonntagsessen.

Den Häusern hinter den Markständen sieht man an, dass sie schon mal bessere Zeiten hatten. Trotz brütender Hitze wird der Markt immer voller und es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Ich trinke was und suche mir danach ein schattiges Plätzchen unter dem Gewölbevordach eines Restaurants. Die Köche haben ihren Grill und einen Teil ihrer Küche auf den Marktplatz aufgebaut und arbeiten schnell und ohne Hektik die Bestellungen ab. Küche und Fahrrad habe ich im Blick und genieße das Leben. Ich schaffe meine Getränke, Essen und Dessertbestellung in franz. aufzugeben. Die Kellnerin ist sehr charmant, schätz mein „Französisch für die Reise“ natürlich richtig ein und wiederholt meine Bestellung schön langsam – klasse, alles klappt.

Danach schlendere ich noch über den Markt. Ein breites Angebot von Wurst und Brot, über Jeans und T-Shirts bis zum Traktor kannst Du hier alles kaufen.

Dann bewege ich mich gegen 15 Uhr auf die Kirche Saint-Martin zu, besichtige kurz den Innenraum um dann weiter am Moselpark in Richtung Hotel zu ziehen. Die Temperatur beträgt 30 °C.

Das Hotel hat wie angekündigt noch zu. Aber es gibt einen Check-In Automaten. Da bekomme ich nach Eingabe meines Namens etc. den elektronischen Schlüssel und kann problemlos ohne Personal einchecken. Nebenan liegt Mc-D**f, da besorge ich mir etwas kaltes zu trinken. Jetzt aber schnell den Nachmittagsschlaf nehmen. Später bekomme ich von der Rezeption den W-LAN Code und alles ist klar.

Bilder des Tages

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