2015-06-27 Vierzehnter Tag Metz

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.
Den gesamten realen Verlauf des Streckenabschnitts findest Du hier.

Etappe Thionville bis Metz

Tatsächliche Route vom 27.06.2015

Tageskilometer: 40 km
Streckenabschnitt insgesamt: 635 km

Gesamtstrecke: 39784 m
Maximale Höhe: 206 m
Minimale Höhe: 157 m
Gesamtanstieg: 448 m
Gesamtabstieg: -446 m
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My Camino

Heute Nacht hat es geregnet. Als ich aufwache sehen die Fließen der City nass und glatt aus; aber die Cafés bauen bereits auf. Ich  stelle den Wecker in sleep-mode und pauke noch etwas französisch für die Reise. Ich frühstücke – etwas später als sonst – im Freien unter einem Olivenbaum auf der im Hof liegenden schönen Terrasse des Hotels. Ich bin vorbereitet und weiß: Die Franzosen messen dem Frühstück keine besondere Bedeutung zu. Aber immerhin es gibt Kaffee ohne Milch. Es ist warm und die Regenwolken sind längst weiter gezogen. Das Hotel ist offensichtlich inhabergeführt und der Hotelier ist sehr freundlich und spricht zum Schluss deutsch mit mir, als er den Fahrradschuppen aufschließt wünscht er mir eine gute weitere Pilgerreise.

Ich schiebe zunächst mein Fahrrad zum Metzger, Araber und komme dann am Wochenmarkt vorbei. Es gelingt mir auf französisch ein Baguette zu kaufen – ohne das die schnelle und redegewaltige Bäckereiverkäuferin nachfragen muss. 😉 Mit drei Knackwürsten,  zwei Äpfeln und einem Baguette und Wasser sowieso fühle ich mich für den bestimmt bald einsetzenden Hunger bestens gerüstet. Das Baguette befestige ich – nach Landessitte –  stolz außen am Gepäck und radele von der Stadt zur Mosel runter.

Der Himmel ist heiter und es sind 29 °C. Die Landschaft ist schön. Die Radwege sind gut bis sehr gut und ich komme gut voran. Meine Gedanken kreisen natürlich zwischendurch um die mitgeführten Lebensmittel. Ich entschließe mich frühzeitig um 11 Uhr zum 2. Frühstück oder Brunch. Der Metzger hat zwar die Knackwürste mit Blick auf meinen Fahrradhelm nochmal mit Alufolie verpackt; aber ich denke: kein Risiko eingehen und alsbald verspeisen. 😉

In Deutschland haben mich oft Rentner der Generation 75plus mit Ihren Hilfsmotoren überholt. Hier fällt mir auf, die Radfahrer sehen eleganter aus, sind jünger und fahren mit Ihren Rennrädern oder Mountainbikes  meist doppelt so schnell, wie ich. Trekking-Radler – wie ich – sind seltener als in den letzten Tagen, grüßen aber meist sehr freundlich …

Kurz vor Erreichen des Hotels weiche ich von der geplanten Route ab. Ich fahre den Türmen folgend in die Altstadt. Metz ist absolut eine Reise wert. Am meisten beeindrucken mich die Kathedrale Saint-Étienne (Stephansdom) und die Cafés. Ich schaffe zu bestellen und zu bezahlen ohne auf deutsch oder englisch ausweichen zu muessen. Der „Grand Café“ ist ohne Milch und schmeckt wie Cafe crema – prima. Der Innenraum der Kathedrale fasziniert mich mit seiner Größe.

Auch hier in Metz ist heute Wochenmarkt, der gerade abbaut als ich eintreffe. Danach bauen sofort die Cafés auf dem sofort gereinigten und frei werdenden Platz ihre Stühle und Tische auf. Faszinierend – irgendwie ticken hier die Uhren anders. Auch gestern in Thionville ist mir genau wie heute in Metz aufgefallen, dass ein großer Teil der einkaufenden Frauen elegant bis sehr elegant und besonders individuell daher kommt.

Der Fahrradweg führt übrigens sehr stressfrei an die Altstadt heran. Auch in der Stadt konnte ich viele neue Radwege erkennen. Ich bin froh heute hier zu sein, wenn ich bedenke, dass ich Metz erst aus radverkehrstechnischen Gründen auslassen wollte. Anni, die Lehrerin der Volkshochschule „Französisch für die Reise“ stammt aus Metz und hatte schon vor Wochen im Kurs mein Interesse an Metz geweckt. – Danke Anni!

Nach meinem gemächlichen Streifzug durch die alte gallische Stadt Metz finde ich schnell wieder auf die geplante Route und zum Hotel – dem Navi sei Dank!

Mein Fahrrad hat heute sein eigenes Zimmer Nr. 100 im ersten Stock. Super Fahrradunterkunft; allerdings ist der Aufzug für mein Fahrrad zu klein. Also Fahrrad eine Etage die Treppe rauftragen.

Heute ist Samstag – also Badetag – sorry Waschtag. Handwäsche für die gepolsterten Fahrradunterhosen und Socken ist dran.

Mein Pilgerausweis hat heute in Metz den 17. Stempel bekommen. Merci Madam!

Bilder des Tages

4 Gedanken zu „2015-06-27 Vierzehnter Tag Metz“

  1. Hallo,
    Das Frühstück war sicherlich eine Nummer zu süß für Dich, so dass zum Brunch ein Apfel nicht reicht und etwas Handfestes her muss.
    Bei uns hat es heute Nacht geregnet und heute Morgen war es lange dunstig. Jetzt kommt allmählich die Sonne raus.
    Freundliche Grüße
    Walli

  2. Hallo,
    Der Grand Café sieht für unsere Verhältnisse ziemlich normal aus oder eher petit. Ich hoffe er hat geschmeckt.
    Bei uns versteckt sich die Sonne immer wieder. Aktuell haben wir 22 Grad.
    Freundliche Grüße
    Walli

  3. Bonsoir Gustav,
    es freut mich sehr, dass es dir gut geht 🙂
    und dass der französischkurs etwas gebracht hat! Bravo!!
    Weiter hin „bon courage“ cher Gustav,
    *annie*

    1. Bonsoir Annie!
      Danke für Deinen Kommentar und Deine guten Wünsche.
      Ich habe mich gerade sehr darüber gefreut.
      Heute habe ich Ruhetag am Pool.
      Morgen geht’s bei über 30 °C weiter nach Toul.
      Beste Radpilgergrüße heute aus Méréville
      Gustav

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