2015-06-29 bis 30 Sechzehnter und siebzehnter Tag Méréville

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Pont-á-Mousson – Méréville

Tatsächliche Route vom 29.06.2015

Tageskilometer: 52 km
Streckenabschnitt insgesamt: 723 km

volle Distanz: 51426 m
Maximale Höhe: 284 m
Minimale Höhe: 179 m
Gesamtanstieg: 559 m
Gesamtabstieg: -509 m
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Das war bisher die anstrengendste Etappe. 17 km Steigung am Stück (!), über 30°C im Schatten und jede Menge Ozon im Bereich Nancy zeigen mir am vorletzten Hügel klar meine Grenzen! Bis auf wenige Schritte bin ich zwar die Steigungen durchgefahren, lufttechnisch spürte ich aber den Sauerstoffmangel. Mehrere Trink- und Erholungspausen sind im extrem knappen Schatten nötig. Aber bei er Abfahrt gab’s kühlen Fahrtwind. 😉

Fix und Foxi komme ich im Hotel an. Meine Stimme ist auf Grund der Anstrengung verändert. Der zuvorkommende Kellner bringt mir einen Liter kaltes „eau minérale gazeuse“ und etwas Salzgebäck und meinte freundlich: ich solle mal auch meinen Salzhaushalt ausgleichen.

Ruhetag am 30.06.2015 in Méréville

Bevor es in die Berge geht und nach der anstrengenden Etappe am 29.06.2015 ist heute Ruhetag.

Auch hier ist das Frühstücks-Buffett europarisiert und sehr gut. Ich frühstücke auf der Terassse. Lediglich der Kaffee erinnert  an deutschen Gaststätten-Kaffee aus der alten Zeit.

Das Hotel hat einen Wäscheservice – Super!
Das Fahrrad ist schnell gewartet und so kann ich mich prima erholen.
Das Hotel hat einen Pool. – Super bei über 30° C und blauen Himmel.

Zum Mittag gibts einen Power-Nussriegel mit Hinblick auf das Menü heute Abend.

Die Router und Accesspoints im Hotel benutzen veraltete SSL-Protokolle, so hab ich zunächst auch Pause mit W-LAN und Internet.
Erst als ich heute gegen Abend Lust habe mich damit auseinanderzusetzen, konfiguriere ich den Firefox temporär so, dass ich Zugang bekomme.

Die für den heutigen Ruhetag vorgesehene Korrektur meiner Tippfehler der zurückliegenden Beiträge muss warten. Vor lauter Ausruhen bin ich dazu nicht gekommen – und vom Hamsterrad  hat ich ja schon genug in diesem Leben. 😉

Morgen am 01. Juli 2015 soll’s richtig heiß werden > 35°C. So tüftele ich an einem Routenverlauf nach Tour mit möglichst moderaten Steigungen. Aber das Tal wird so eng, dass man auf die Hügel ausweichen muss. Wir werden sehen …

Jetzt geh ich auf der Terrasse des Hotels mehrgängig essen. Das Huhn gestern war sehr überzeugend. Heute der Lachs ebenfalls. Bemerkenswert auch der Linsensalat. Ja, ja das französische Essen und die französischen Frauen – irgendwie anders.

My Camino

Das Frühstück „Petit-déjeuner buffet à volonté“ bei Enzo ist sehr gut. Um 9:30 Uhr sitze ich im Sattel. Meine Etappe führt nochmal am Marktplatz und Rathaus vorbei. Dann fahre ich einen schmalen Pfad an Mosel und später an einem Moselkanal entlang. Es wird immer mehr Cross & Quer. Und plötzlich wird der Pfad nach ca. 7 km zum Wiesenweg und dann ist Schluss. Der Übergang ist eine 50-stufige steile Treppe.

Also ich gehe erst mal ohne Rad hoch: die Lage und weitere Streckenführung abschätzen. Oben ist eine Industriestraße und ein Industriegleis. Einige Meter weiter geht die Treppe auf der anderen Seite auch wieder nach unten. Mit Gepäck und Fahrrad ist mir die Treppe zu steil. Also absatteln, Gepäck auf zwei mal einzeln hochtragen. Und dann das Fahrrad hochtragen. Es sind mittlerweile knapp 30°C.  Oben wieder aufsatteln. Also die 4 x 50 Stufen hab ich geschafft – geht doch. Dann Kräfte sammeln, Herzfrequenz runter, Trinkpause und Navi checken und eine alternative Route über die Straße wählen.

Dank Navi ist die richtige Straße D677 schnell erreicht. Darauf komme ich gut voran. Teilweise ist ein Fahrradweg am Rand der D677 vorhanden. Später fahre ich die D10 und D40 weiter.

Unterwegs in einer kleinen Stadt kaufe ich kaltes Wasser nach. In einer Bäckerei ein Mini-Baguett für 48 Cent. Die beiden Bäckerinnen sehen aus, als als kommen sie gerade vom Laufsteg – ja, ja … Mittag mache ich auf einer Bank im Schatten. Mir fällt dabei der schöne und bunte Blumenschmuck auf vielen Plätzen und an vielen Brücken wiederholt angenehm auf.

In Nancy will ich wegen bevorstehenden Steigungen nicht pausieren. Ich habe mir wegen der dort oft vorhandenen Radwege zuerst die D400 und später die D570 als Umfahrung ausgesucht. Zwischendrin führt die von mir im November 2014 bereits geplante Etappe durch verkehrsarme  Siedlungsstraßen. Es geht jedoch unentwegt 17 km bergan. Am vorletzten Hügel ist die Steigung 12% und das über 1 km. Die schicken französischen Rennfahrer steigen aus dem Sattel und fahren den Abschnitt locker durch. – Respekt! Mich haut das dann kurz vorm Ziel doch aus den Socken.  Ich setze mich in die Böschung in den knappen Schatten. Trinke mein warmes Wasser und versuche wieder normal Luft zu bekommen. Dauert aber länger als sonst. Ich denke: dann legst Du Dich in Gras. Das hilft – war aber trotzdem keine gute Idee, denn zwei Rennfahrer sehen das, kehren nach wenigen Metern um und fragen, ob es mir gut geht oder ich Hilfe brauche – „ca va“ – „ca va„. Dazu kommt eine Autofahrerin mit „eau minérale“ und fragt, ob ich Wasser oder Hilfe brauche. Gegenüber auf der Straßenseite hält ein weiter Autofahrer und bietet Hilfe an. Ich stehe schnell auf, um die Situation wieder zu entspannen. Danke an die spontan hilfsbereiten Menschen in Frankreich!

Mir ist etwas hohl im Kopf bar der Ereignisse der letzten Minuten, schiebe sicherheitshalber einige Meter und sitze kurze Zeit später wieder auf. Jetzt geht’s endlich bergab. Der Fahrtwind kühlt. Da zeigt sich der letzte Hügel für heute. Ich halte kurz vor der Kuppe lieber an und schiebe ein paar Meter. Der Rest der Strecke geht bergab oder ist eben. Trotzdem brauche ich volle Konzentration, den die Mosel ist auch hier stark verästelt.  Ich will jetzt nur noch ohne Umwege ankommen und die richtigen Radwege zu dem Dorf Méréville erwischen. Da noch 1.000 m, noch 500 m, noch 100 m eine letzte Kuppe – geschafft – fix und foxi aber da!

Morgen ist Ruhetag!

Bilder der zwei Tage

2015-06-28 Fünfzehnter Tag Pont-á-Mousson

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Metz bis Pont-á-Mousson

Tatsächliche Route vom 28.06.2015

Tageskilometer: 36 km
Streckenabschnitt insgesamt: 671 km

volle Distanz: 35774 m
Maximale Höhe: 205 m
Minimale Höhe: 125 m
Gesamtanstieg: 391 m
Gesamtabstieg: -329 m
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My Camino – Buen Camino

Nach dem Aufwachen pauke ich noch ein bisschen „Französisch für die Reise“. Die Tagesetappe heute ist ja nicht so lang. Das Frühstück ist überraschender Weise mit allem Zip und Zap, fast jedenfalls. Neben den französischen Teilen des petit-déjeuner gibt’s tatsächlich auch Schinken, Käse und Baguette. Der grand café ist auch nach meinem Geschmack ein café crema. Einen Apfel nehme ich auf alle Fälle auch noch mit.

Schnell finde ich gegen 9:30 Uhr vom Hotel runter zur Mosel. Die ersten 7 km läuft der Pfad durch eine wunderbare Wald- und Auenlandschaft direkt an der Mosel entlang. An manchen Stellen ist der schmale Pfad sehr crossig. Dementsprechend begegnen mir auch hauptsächlich Mountainbiker und Jogger – eigentlich mehr schicke Joggerinnen. Oft überspannen hier ältere Brücken die Mosel oder die Moselarme. Der Weg wird unter den Brücken oft so schmal, dass ich kaum durchpasse. Diese kurzen Stellen schiebe ich sowieso. Auch die Schlaglöcher und die Baumwurzeln sind nicht ohne. Da muss man halt gut aufpassen. Die Schilder weisen aber immer wieder darauf hin, dass der Pfad für Fußgänger und Fahrräder gedacht ist. Zu einer der zahlreichen kleinen Brücken fahre ich hoch, orientiere mich und genieße die märchenhaft schöne Landschaft. Da trabt von hinten ein Jogger heran, erkennt meine Jacobsmuschel und da kommt es aus voller Kehle: das erste „Buen Camino!“ Ich bin sofort gerührt und so dauert es eine Weile bis ich antworte. Von Metz höre ich dazu das Geläut von Kirchenglocken. Das sind die besonderen Momente meiner Pilgerreise. – Es soll heute nicht das einzige „Buen Camino!“ bleiben und das hier zwischen Metz und Pont-á-Mousson.

Der Pfad endet nach ca. 7 km und wird die nächsten 9 km zum komfortablen Radweg. Da begegnet mir eine Dänin die alleine mit dem Fahrrad und Ihrem Hund im Körbchen am  Lenker unterwegs ist. Sie fragt einen Spanier an einer Weggabelung nach dem besten Weg nach Metz.

An einer Bank mache ich am Moselufer eine Trinkpause und checke mein Handy. Was ist das? eine Nachricht auf der Voice-Mailbox. Die versuche ich abzuhören, weiß aber den Mailbox-Pin nicht. Fordere einen neuen Pin an.  Und endlich höre ich die Sprachnachricht ab. Sie ist vom heutigen Hotel. Das es um meine Reservierung geht und die Öffnungszeiten der Rezeption kann ich aus dem schnellen französischen Sätzen heraus hören und dass ich rückrufen soll. Das mache ich umgehend und so kriege ich raus, dass die Rezeption heute am Sonntag erst um 17 Uhr wieder öffnet. Na ja denke ich,  es gibt schlimmeres damit komme ich klar.  Ich mache noch ein paar Bilder. Da halten zwei Trekking-Radler an und fragen mich in deutsch und französisch woher ich denn komme und wohin ich will. Die beiden sind Vincent und Michele und waren sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad schon auf verschiedenen Abschnitten des Jacobsweges unterwegs. Es entwickelt sich ein längeres Gespräch. Aber Duisburg hatten sie noch nie in ihrem Leben gehört. Ich erkläre das Duisburg nahe bei Köln liegt und dann ist natürlich sofort alles klar. Ich muss an den Französisch-Unterricht in der Volkshochschule mit Anni denken … Michele interessiert sich für den Navi und wie ich damit klar komme. Michele und Vincent wohnen hier in der Nähe und machen ihre Sonntags-Radtour. Als erfahrene Jacobspilger verabschieden sie sich natürlich mit „Buen Camino!

Nach soviel schönen Eindrücken verpasse ich meine nächste Abbiegung und die geplante Moselbrücke. Ich lande auf der Landstraße D657. Die D657 hat zwar keinen Radweg, fährt sich trotz moderater Steigungen sehr gut und hat sehr wenig Verkehr. Als ich meinen Irrtum nach kurzer Zeit bemerke entscheide ich mich auf der Straße zu bleiben und die nächste Brücke zu nehmen. Die ist aber, wie sich herausstellt erst, kurz vor Pont-á-Mousson. So komme ich trotz der Steigungen gut voran und sehe von oben oft auf die Mosellandschaft und die dahinterliegenden Berge.

Einige km vor Pont-á-Mousson nehme ich eine große Moselbrücke und bin wieder nah an meiner geplanten Route. Da ich bis zum Einchecken noch Zeit habe fahre ich direkt auf den Marktplatz. Hier ist heute ein riesiger Markt und es riecht lecker nach Sonntagsessen.

Den Häusern hinter den Markständen sieht man an, dass sie schon mal bessere Zeiten hatten. Trotz brütender Hitze wird der Markt immer voller und es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Ich trinke was und suche mir danach ein schattiges Plätzchen unter dem Gewölbevordach eines Restaurants. Die Köche haben ihren Grill und einen Teil ihrer Küche auf den Marktplatz aufgebaut und arbeiten schnell und ohne Hektik die Bestellungen ab. Küche und Fahrrad habe ich im Blick und genieße das Leben. Ich schaffe meine Getränke, Essen und Dessertbestellung in franz. aufzugeben. Die Kellnerin ist sehr charmant, schätz mein „Französisch für die Reise“ natürlich richtig ein und wiederholt meine Bestellung schön langsam – klasse, alles klappt.

Danach schlendere ich noch über den Markt. Ein breites Angebot von Wurst und Brot, über Jeans und T-Shirts bis zum Traktor kannst Du hier alles kaufen.

Dann bewege ich mich gegen 15 Uhr auf die Kirche Saint-Martin zu, besichtige kurz den Innenraum um dann weiter am Moselpark in Richtung Hotel zu ziehen. Die Temperatur beträgt 30 °C.

Das Hotel hat wie angekündigt noch zu. Aber es gibt einen Check-In Automaten. Da bekomme ich nach Eingabe meines Namens etc. den elektronischen Schlüssel und kann problemlos ohne Personal einchecken. Nebenan liegt Mc-D**f, da besorge ich mir etwas kaltes zu trinken. Jetzt aber schnell den Nachmittagsschlaf nehmen. Später bekomme ich von der Rezeption den W-LAN Code und alles ist klar.

Bilder des Tages

2015-06-27 Vierzehnter Tag Metz

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.
Den gesamten realen Verlauf des Streckenabschnitts findest Du hier.

Etappe Thionville bis Metz

Tatsächliche Route vom 27.06.2015

Tageskilometer: 40 km
Streckenabschnitt insgesamt: 635 km

volle Distanz: 39784 m
Maximale Höhe: 206 m
Minimale Höhe: 157 m
Gesamtanstieg: 448 m
Gesamtabstieg: -446 m
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My Camino

Heute Nacht hat es geregnet. Als ich aufwache sehen die Fließen der City nass und glatt aus; aber die Cafés bauen bereits auf. Ich  stelle den Wecker in sleep-mode und pauke noch etwas französisch für die Reise. Ich frühstücke – etwas später als sonst – im Freien unter einem Olivenbaum auf der im Hof liegenden schönen Terrasse des Hotels. Ich bin vorbereitet und weiß: Die Franzosen messen dem Frühstück keine besondere Bedeutung zu. Aber immerhin es gibt Kaffee ohne Milch. Es ist warm und die Regenwolken sind längst weiter gezogen. Das Hotel ist offensichtlich inhabergeführt und der Hotelier ist sehr freundlich und spricht zum Schluss deutsch mit mir, als er den Fahrradschuppen aufschließt wünscht er mir eine gute weitere Pilgerreise.

Ich schiebe zunächst mein Fahrrad zum Metzger, Araber und komme dann am Wochenmarkt vorbei. Es gelingt mir auf französisch ein Baguette zu kaufen – ohne das die schnelle und redegewaltige Bäckereiverkäuferin nachfragen muss. 😉 Mit drei Knackwürsten,  zwei Äpfeln und einem Baguette und Wasser sowieso fühle ich mich für den bestimmt bald einsetzenden Hunger bestens gerüstet. Das Baguette befestige ich – nach Landessitte –  stolz außen am Gepäck und radele von der Stadt zur Mosel runter.

Der Himmel ist heiter und es sind 29 °C. Die Landschaft ist schön. Die Radwege sind gut bis sehr gut und ich komme gut voran. Meine Gedanken kreisen natürlich zwischendurch um die mitgeführten Lebensmittel. Ich entschließe mich frühzeitig um 11 Uhr zum 2. Frühstück oder Brunch. Der Metzger hat zwar die Knackwürste mit Blick auf meinen Fahrradhelm nochmal mit Alufolie verpackt; aber ich denke: kein Risiko eingehen und alsbald verspeisen. 😉

In Deutschland haben mich oft Rentner der Generation 75plus mit Ihren Hilfsmotoren überholt. Hier fällt mir auf, die Radfahrer sehen eleganter aus, sind jünger und fahren mit Ihren Rennrädern oder Mountainbikes  meist doppelt so schnell, wie ich. Trekking-Radler – wie ich – sind seltener als in den letzten Tagen, grüßen aber meist sehr freundlich …

Kurz vor Erreichen des Hotels weiche ich von der geplanten Route ab. Ich fahre den Türmen folgend in die Altstadt. Metz ist absolut eine Reise wert. Am meisten beeindrucken mich die Kathedrale Saint-Étienne (Stephansdom) und die Cafés. Ich schaffe zu bestellen und zu bezahlen ohne auf deutsch oder englisch ausweichen zu muessen. Der „Grand Café“ ist ohne Milch und schmeckt wie Cafe crema – prima. Der Innenraum der Kathedrale fasziniert mich mit seiner Größe.

Auch hier in Metz ist heute Wochenmarkt, der gerade abbaut als ich eintreffe. Danach bauen sofort die Cafés auf dem sofort gereinigten und frei werdenden Platz ihre Stühle und Tische auf. Faszinierend – irgendwie ticken hier die Uhren anders. Auch gestern in Thionville ist mir genau wie heute in Metz aufgefallen, dass ein großer Teil der einkaufenden Frauen elegant bis sehr elegant und besonders individuell daher kommt.

Der Fahrradweg führt übrigens sehr stressfrei an die Altstadt heran. Auch in der Stadt konnte ich viele neue Radwege erkennen. Ich bin froh heute hier zu sein, wenn ich bedenke, dass ich Metz erst aus radverkehrstechnischen Gründen auslassen wollte. Anni, die Lehrerin der Volkshochschule „Französisch für die Reise“ stammt aus Metz und hatte schon vor Wochen im Kurs mein Interesse an Metz geweckt. – Danke Anni!

Nach meinem gemächlichen Streifzug durch die alte gallische Stadt Metz finde ich schnell wieder auf die geplante Route und zum Hotel – dem Navi sei Dank!

Mein Fahrrad hat heute sein eigenes Zimmer Nr. 100 im ersten Stock. Super Fahrradunterkunft; allerdings ist der Aufzug für mein Fahrrad zu klein. Also Fahrrad eine Etage die Treppe rauftragen.

Heute ist Samstag – also Badetag – sorry Waschtag. Handwäsche für die gepolsterten Fahrradunterhosen und Socken ist dran.

Mein Pilgerausweis hat heute in Metz den 17. Stempel bekommen. Merci Madam!

Bilder des Tages

2015-06-26 Dreizehnter Tag Thionville

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Perl-Nennig bis Thionville

Tatsächliche Route vom 26.06.2015

Tageskilometer: 45 km
Streckenabschnitt insgesamt: 595 km

volle Distanz: 44352 m
Maximale Höhe: 165 m
Minimale Höhe: 146 m
Gesamtanstieg: 311 m
Gesamtabstieg: -316 m
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My Camino

Das Hotel-Frühstück ist sehr gut. Bereits um 8:15 Uhr sattele ich auf. Und um 8:45 Uhr sind die ersten km an der Mosel hinter mir. Es ist schon so früh am Morgen angenehm warm.

Der Moselradweg ist gut zu fahren. Nach ungefähr 10 km bin ich kurz vor der Grenze zu Luxemburg. Bei der ersten Trinkpause schaue ich auf die Autobahnbrücke der A13 zwischen Deutschland und Luxemburg.

Nur einen km später überquere ich über die Brücke B407/N10 die Mosel. Das mache ich schiebend, um jeden Meter zu genießen. Der Ausblick ist sehr schön. Ich selber bin tief bewegt, dass ich aus eigener Kraft mit meinem Fahrrad hier die Grenze Mitten auf der Brücke passieren kann. Ich nehme mir Zeit und halte zwischendurch immer wieder inne. Nach 570 km Fahrradstrecke in Deutschland bin ich froh und glücklich gesund über diese Grenze nach Schengen zu gehen. Die Brücke wird in beiden Richtungen von Autos und Radfahren überquert. Die Radfahrer u.a. ein sportliches Paar auf einem Tandem grüßen heute besonders freundlich: „Bonjour Monsieur!

In Schengen verweile ich am Monument
Accord de Schengen„. Auch hier treffe ich schwer bepackte Radfahrer. Anschließend geht’s teilweise an der Landstraße entlang und meist auf Radwegen der Luxemburger Weinstraße – Route de Vin entlang.

In Malling finde ich den Radweg an der Mosel erst nach einer kurzen Schleife. Außerdem bin ich längst – ohne dass  ich es bewusst gemerkt hätte – in Frankreich angekommen. Irgendwo um Apach ist die Grenze. Die Weinberge verschwinden allmählich und die Wiesen der französischen Kuhbauern reichen bis an die Mosel. Ab und an ist hier auch ein Getreidefeld zu sehen. In Basse-Ham gibt’s eine riesige Umleitung für Radfahrer. An einer Bank mache ich eine meiner Trinkpausen und lege mich längs auf die Bank, um meinen Po zu entspannen.

Nicht das ich unvorbereitet bin, aber in Frankreich gibt’s keine Biergärten; aber natürlich Cafes und Bars. Die haben natürlich um diese Zeit zu. Zum Mittag gibt’s einen Apfel und meine Wasservorräte neigen sich. Die Sonne strahlt, aber Thinoville ist aber nicht mehr weit.

Das heutige Hotel finde ich dank Navi auf Anhieb. Es liegt mitten in der Fußgängerzone. Die Reinigungsfrau am Eingang erkennt mich als Gast mit Fahrrad und nimmt mich sofort zur Fahrradgarage mit. So werde ich meinen vorbereiteten Satz: „vous avez un abri pour mon velo?“  („Haben Sie einen Unterstand für mein Fahrrad?“) gar nicht los.

Der Rezeptionist hat mich vielleicht tatsächlich verstanden als ich sage:  „bonjour monsieur, je suis Gustav  Sommer et ai réservé„. Ich bekomme mein „chambre“ (Zimmer), meine W-LAN Codes, buche das petit déjeuner (Frühstück) nach und schaffe es sogar zwei gekühlte „eau minérale“ (Mineralwasser) zu bestellen.

Die Innenstadt hier in Thionville hat sehr viel kleine Läden und noch mehr Cafes und Bars. Ich kann mich aber bei meinem Stadtrundgang nicht entscheiden und suche nach einem Bäcker (boulanger) und Metzger (boucher). Beim Metzger kaufe ich Bockwurst (knack boy natural aus dem Elsass), die liegt in der Theke und ist beschriftet. 😉 Beim Araber kaufe ich Käse (fromage) am Stück und ein kleines Fladenbrot (pain plat en forme de galette); da konnte ich drauf zeigen. 😉 So ist das Essen für heute gesichert.

Morgen, Samstag geht’s weiter nach Metz. Das Hotel habe ich über ein Buchungsportal gebucht, da ich auf die gestrige Mail-Anfrage keine Antwort erhalte. Sonntag will ich nach Pont-à-Mousson. Auch das Hotel habe ich bereits heute gebucht.

Bilder des Tages

2015-06-25 Zwölfter Tag Perl

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Trier bis Perl-Nennig

Tatsächliche Route vom 25.06.2015

Tageskilometer: 45 km
Streckenabschnitt insgesamt: 560 km

volle Distanz: 44933 m
Maximale Höhe: 158 m
Minimale Höhe: 109 m
Gesamtanstieg: 393 m
Gesamtabstieg: -349 m
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My Camino

Das Frühstück im Hotel ist sehr gut. Ich denke an die Vitamine und esse zum Schluss eine Birne. Für die Mittagspause nehme ich noch einen Apfel mit. Um 9 Uhr bin ich schon in Richtung Mosel unterwegs.

Für die Rückreise dieses Abschnitts am 22./23.07.2015 habe ich das Hotel auch gebucht – zumal es günstig am Hbf liegt. Durch den zweitägigen Aufenthalt kenne ich mich inzwischen in Trier etwas aus und komme vom Hotel entspannt zur Mosel. Trier ist zwar die älteste Stadt Deutschlands, ich habe sie aber nicht unbedingt sehr fahrradfreundlich erlebt.

Die Strecke entlang der Mosel folgt zunächst dem Moselradweg,  ist sehr schön, hat aber wenig Biergärten. Das Wetter ist sehr gut. Ich fahre natürlich kurzärmlig und habe heute morgen auch an den Sonnenschutz gedacht.

Im Westen von Trier gibt’s natürlich auch etwas Industrie aber auch sehr schöne kleine Häfen und natürlich Staustufen. Ruckzuck bin ich an der Saarmündung. Bis dahin gibt es eher Wald und Wiesen links und rechts der Mosel und nur noch wenige Weinberge.

Bis Konz fahre ich eine lange Strecke parallel zum Jakobsweg Trier-Metz. Als ich die Saar überquere verlässt meine heutige Etappe  den Jakobsweg.

Nach zwölf Tagen bin ich nun durch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland gekommen. Seit der Saarmündung bei Konz ist die Mosel Grenzfluss zwischen Deutschland und Luxenburg. Auf der Luxenburger Seite gibt’s wieder mehr Weinberge und die Häuser sind bunter. Heute wohne ich 5 km vor Perl in Perl-Nennig, da in Perl die Hotels so gut wie ausgebucht sind. 3 km vor dem Hotel nehme ich meinen Nachmittagskaffe und esse einen selbstgebackenen Apfelkuchen. Der ist nach dem sparsamen Mittag und der langen Strecke ohne Biergarten dringend fällig. Die Kellnerin Jahrgang 1938 setzt sich zu mir und erzählt Geschichten von Ihrem Kiosk „Bei Opa Schwer“ (nennt sich jetzt Bistro) und der Mosel, die hier 103 m breit und 9 m tief ist. Sie kommentiert „das kleine Luxenburg mit seinen klugen Köpfen“ am gegenüberliegenden Ufer, zeigt mir alte Bilder und Ansichtskarten und wünscht mir auf meinem Pilgerweg alles Gute. Ein schönes Gespräch bei Kaffee und Kuchen.

Das heutige Hotel hat ein ausgezeichnetes Restaurant. Es gibt eine exzellente hausgemachte Rindfleischsuppe und aus der regionalen Küche Salat, Schnitzel und Nudeln. Zum Schluss noch frische Erdbeeren. – Lecker!

Meine Zimmer ist im „Stammhaus“.  Die  „Eicherustikal-Umgebung“  meines Zimmers der „Monteur-Kategorie“ könnte bestimmt viele Geschichten erzählen.

Habe den Laptop mit ins Restaurant genommen, da hier das W-LAN gut und schnell ist.

Morgen geht’s durch Perl und durch Schengen in Luxenburg und dann nach Thionville in Frankreich. Das Zimmer habe ich via HRS online gebucht. Danach will ich Samstag doch in Metz Station machen. Das Hotel habe ich mit meiner erste französischen Mail angefragt. Mal seh’n was dabei heraus kommt.  😉 Anschliessend möchte ich Sonntag nach Pont-á-Mousson.

Bilder des Tages

2015-06-23 bis 24 Zehnter und Elfter Tag Trier

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Trittenheim bis Trier

Tatsächliche Route vom 23.06.2015

Tageskilometer: 43 km
Streckenabschnitt insgesamt: 502 km

volle Distanz: 42441 m
Maximale Höhe: 166 m
Minimale Höhe: 95 m
Gesamtanstieg: 394 m
Gesamtabstieg: -357 m
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Ruhetag 24.06.2015 in Trier

Das Hotel hat einen Wäscheservice – prima. Da kann ich direkt länger schlafen und später Frühstücken.

Heute muss ich ein paar Drogerieartiekl auffüllen und mich  pflegetechnisch um mein Fahrrad kümmern. Anschließen gibt’s mit dem Fahrrad (ohne Gepäck) eine kleine Pilger- und Stadtrundfahrt bei allerbestem Wetter.

Deo, Hirschtalg, und Isopropanol zum Felgenflankenreinigen sind schnell in Drogoriemarkt und Apotheke besorgt. 100 ml Alkohol kosten in der Apotheke fast soviel wie ein Doppelter Willi, hat aber mehr Prozente. Zum Putzlappenkauf fehlt mir die Erfahrung. Also improvisieren und stattdessen ein Hemdchen aus dem Sonderangebot für kleines Geld kaufen – putz prima. Luft fülle ich während der Stadtrundfahrt beim 2Rad-Händler auf; der wirft auch einen Blick auf meine quietschenden Bremsen und meint alles ist ok. Lag wahrscheinlich am Regen !? Heute bei trockenem Wetter quietscht natürlich nix. Na ja, da geb‘ ich zumindest einen für die Kaffee-Kasse aus.

Trier: Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad

Tageskilometer: 13 km
Streckenabschnitt insgesamt: 515 km

Vom Hotel zum Dom und zum Ziel des Mosel-Camino St. Matthias; anschließen an  der Mosel zurück. Einschließlich Obst vom Markt, Mittag im Dom-Cafe und chillen an der Mosel. Mineralien und Flüssigkeit fülle ich mit drei Bier im THEO auf. Abend essse ich nochmal gegenüber vom Hotel beim Thailänder. Nachtisch beim Italiener und den Schluss-Kaffee im LECCA.
Ein schöner Ruhetag …

volle Distanz: 12755 m
Maximale Höhe: 201 m
Minimale Höhe: 80 m
Gesamtanstieg: 310 m
Gesamtabstieg: -251 m
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My Camino

Der Powerriegel am gestrigen Montag abend als Abendbrotersatz war lecker, hatte bestimmt auch genug Kalorien; aber als der Wecker heute um 6:30 Uhr mich aus meinen Träumen holt, ist der erste Gedanke: Hunger – und jetzt gut frühstücken. In Trier will ich einen Ruhetag einlegen. Das Hotel kann ich nach einigem suchen heute Nacht noch online buchen. Viele bett+bike Hotels in Trier sind ausgebucht.

Das Frühstück auf dem Weingut in Trittenheim ist ordentlich und schmeckt. Um 9 Uhr habe ich das Gepäck geladen und ich überquere die Mosel. Dann gehts durch schöne Radwege und die schöne Mosellandschaft los. Schon nach 5 km setzt leichter Regen ein. Der Moselradweg ist sehr zurückhaltend bis gar nicht beschildert. Dank meinem Fahrrad-Navi ist das aber kein Problem.

An der nächste Mosel-Schleife wird der zuerst leichte Regen stärker und ich sehe die Schauern über die Weinberge kommen. Heute schauere ich zwei mal kurz und komme trotzdem gut voran. Zwischendurch gibt es blaue Löcher und die Sonne trocknet meine Funktionsklamotten. Meist führt der Moselradweg direkt an der Mosel entlang. Manchmal fahe ich auch in die Weinberge. Die Steigungen bleiben im Sattel bezwingbar. Allmällich tut am zehten Tag aber auch ein A***h weh, so dass der geplante morgige Ruhetag mir sehr willkommen ist. Die Trinkpausen heute mach ich weniger zum Trinken sondern eher zum Popo entspannen.  Trotzdem es geht mir sehr gut.

Unterweg komme ich – wie auch in den letzten Tagen – an einer der zahlreichen Mosel-Staustufen vorbei. Hier in Detzem beträgt die Fallhöhe 9 m.

Bei Schweich überquere ich die Mosel. Kurz danach muss ich in einem kleinerem Gewerbegebiet eine mässig beschiderte Radumleitung fahren. Auch das klappt mit Unterstützung meines Navis problemlos. Dann folgt der Trierer-Hafen. Der ist zwar auch keine Augenweide aber harmlos zu den riesigen Industrieflächen zum Beispiel in Köln-Niehl vorige Woche. Dann verläuft die Etappe aber ach schon wieder an der schönen Mosel entlang und es heitert weiter auf. Schon ist die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Trier in Sicht. Ich überlege anstelle der längeren und steilern Auffahrt zur Brücke die Treppe zu nehmen. Der Mucki-Bude und dem guten Frühstück sei Dank schaffe ich die 14 m Höhendifferenz in Treppenstufen und mit 20 kg Gepäck + 17 kg Fahrrad + 150 kg Gustav. Die Treppe hat mehrere Podeste und die brauche ich auch zum Verschnaufen.

Am Schluss der Strecke ab der Kaiser-Wilhelm-Brücke treffe ich wieder auf den Mosel-Camino. Um 13 Uhr bin ich bereits am Hotel. Das Zimmer ist noch nicht fertig und so mache ich beim Thailänder und Italiener Mittag. Die Wan-Tan-Suppe ist klasse. Ich esse ein Tagesmenü für kleines Geld. Bein Italiener nebenan trinke ich einen Kaffee und lasse mir von hinten die Sonne auf die Weste scheinen.

Das Hotel ist ein Integrationshotel des Diakonischen Werks. Mein Zimmer ist groß und komfortabel. Das richtige für einen zusätzlichen Ruhetag. Das Hotel liegt dierekt am Trier Hbf. Zur Innenstadt sind es zu Fuß 10 Minuten. Das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit.

Ich geh jetzt erstmal zum Dom, Hauptmarkt und zur Porta Nigra, wo ich auch zu Abend esse. In der Wirtschaft gibt es  als Tagesgericht gegrillten Schinken mit Teerdich (Sauerkraut und Kartoffelpüree vermischt).

Morgen, Donnerstag fahre ich den Moselradweg weiter bis Perl. Am Freitag geht’s über Schengen in Luxenburg nach Thionville in Frankreich.

Bilder des Tages

2015-06-22 Neunter Tag Trittenheim

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Traben-Trarbach bis Trittenheim

Tatsächliche Route vom 22.06.2015

Tageskilometer: 55 km
Streckenabschnitt insgesamt: 459 km

volle Distanz: 54312 m
Maximale Höhe: 172 m
Minimale Höhe: 113 m
Gesamtanstieg: 580 m
Gesamtabstieg: -615 m
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My Camino

Nach dem Frühstück stand kurz am Fahrrad die fällige Kettenpflege an. Kettenspray habe ich natürlich dabei. Von einer freundlichen Reinigungskraft der DJH staubte ich einen alten Lappen zum Reinigen der Zahnkränze und der Kette ab.

Schon um 8:30 Uhr ging’s die steile Abfahrt an die Mosel runter. Zwischendurch muss ich nochmal mein Kettenschutzblech neu montieren. Ich bin schon so früh unterwegs, da meine Wetter-App signalisierte, dass es ab „mittags“ regnet. Ich will trocken vor dem Regen herfahren. Der Plan geht aber nicht auf, nach wenigen km ist es wettermäßig bereits „Mittag“. Erst fallen nur ein paar Tropfen, aber dann entwickelt sich das Wettergeschehen zum Dauerregen. Wenn ich in Fahrtrichtung zum Horizont schaue, sieht’s nach flächendeckenden Regen aus. Schauern ist heute daher nicht die richtige Strategie. Also vorwärts trotz Regen und manchmal kräftigem Gegenwind heißt heute die Devise.

Die Strecke und die Landschaft des Mosel-Radweges sind wunderbar, wenn da nicht der Regen wäre. Aber damit habe ich schon gerechnet. Ich kann keine 40 Tage auf diesem Abschnitt unterwegs sein und erwarten, dass jeden Tag die Sonne scheint. Regen ist nur Wasser und normal …

Ich bin auch heute streckenweise auf dem Mosel-Camino unterwegs. Alle 10 km plane ich eine kurze Trinkpause ein. Länger rasten macht heute keinen Sinn, da um diese Zeit alle Biergärten, Gasthäuser usw. noch geschlossen haben. Nach etwas über 20 km taucht Bernkastell-Kuess auf und mental ist mein Akku – als ich einen geöffneten Italiener sehe – sofort leer. Also mit Kaffee, Suppe und Nudeln schon um 10:30 Uhr kräftig auftanken! Während ich mich aufwärme kommt auch die Mail-Bestätigung für’s Zimmer auf einem Weingut 45 km vor Trier in Trittenheim.

Nach diesem Stopp fahre ich die restlichen 30 km quasi durch. Von einer kleinen Trinkpause und ein bisschen Popo entspannen mal abgesehen. Dazu halte ich an einem Campingplatz, treffe anderer schauernde Radfahrer und wie fast immer entdecken die meine Jacobsmuschel. Was folgt? natürlich reden wir kurz über Santiago … „das Wetter soll da diese Tage auch nicht besser sein.“ berichtet eine einzelne Radfahrerin, die alleine von Trier nach Koblenz unterwegs ist. 

Der Gegenwind ist in den Moselschleifen heute kräftig bis extrem heftig. Jetzt nur noch ein letzter Anstieg zur Moselbrücke. Ich bin froh als ich in Trittenheim auf dem Weingut ankomme. Ich hänge alles was ich an hab zum Trocknen auf und falle ins Bett. Abendessen lasse ich bis auf einen Power-Riegel ausfallen.

Meine Diabetes-Werte sind natürlich bei der Bewegung der letzten Tage schön niedrig.

Morgen will ich weiter nach Trier und dort einen zusätzlichen Tag Pause einlegen.

Im Rechenzentrum gab’s einen defekten Switch, der ausgetauscht wird. Deshalb war diese Seite bis ca. 22:00 Uhr heute Abend nicht erreichbar. – Sorry!

Bilder des Tages

… leider kein Wetter zum Fotografieren

2015-06-21 Achter Tag Traben-Trarbach

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Cochem-Ernst bis Traben-Trarbach

Tatsächliche Route vom 21.06.2015

Tageskilometer: 52 km
Streckenabschnitt insgesamt: 404 km

volle Distanz: 51857 m
Maximale Höhe: 136 m
Minimale Höhe: 79 m
Gesamtanstieg: 457 m
Gesamtabstieg: -407 m
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My Camino

Am heutigen Sommeranfang ist das Wetter eher bedeckt und es scheint heute Morgen etwas zu nieseln. Das erkenne ich nur an einem Paar mit Regenschirm auf dem Fuß-/Radweg vor meinem Fenster. Laut meiner Wetter-App sind es 10°C und um 10 Uhr soll es trocken sein. Der Steillage gegenüber sieht jetzt schon trocken aus.

Die Unterkunft hier in Ernst ist eine absolute Empfehlung. Das mit der Wäsche hat natürlich bestens geklappt. Am Frühstückstisch steht die Wäsche bereit. Das Frühstück ist – wie alles hier – exzellent. Heute Abend möchte ich in der Jugendherberge in Traben-Trarbach übernachten.

Der Streckenverlauf ist heute – im Gegensatz zu gestern – und bis auf die letzten km sehr, sehr schön. Allerdings auch mit kleiner Bergprüfung, die wie immer mit tollen Aussichten belohnt wird. Allerdings ist heute kein Fotografier-Wetter. Die Fahrradwege sind top in Ordnung und laufen meist fern der Autostraßen fast immer nah an der Mosel entlang. In Zell wechsele ich das Ufer. Dann ist es etwas crossiger.

Die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch; aber es regnet (lange) Zeit nicht. In Zell an der Mosel-Schleife ist ein Fahrradrennen. Als ich froh und stolz die höchste Stelle ohne Schieben überwinde, rauschen plötzlich zig Rennfahrer an mir vorbei – Respekt! Später stelle ich fest: Es handelt sich um den Mittel-Mosel Triathlon.

In Pünderich mache ich heute ein Trinkpause. Hier ist auch einer der zahlreichen Campingplätze direkt an der Mosel. Die Nummernschilder sind meist gelb. Der Wirt ist ein Holländer. Es gibt zwei Fassbier. Ich komme mit einem Paar aus Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein ins Gespräch. Die beiden sind seit Mitte Mai mit dem Wohnmobil unterwegs. Wir reden übers Reisen, das aktive Rentnerdasein und die Zeit zum Innehalten.

Ich fahre weiter nach Reil. Kurz nachdem ich über die Brücke wieder das Ufer gewechselt habe, sagt mein Magen: Mittag- oder Abendessen steht an. Vor einem schönen Lokal mit Moselblick stehen massenweise Fahrräder. Hier mache ich 8 km vor Traben-Trarbach verspätet Mittag oder man kann auch sagen ich essen heute etwas früher zu Abend. Was für ein Glück, denn der Mosel-Spießbraten ist Spitze. Kaum hab ich bestellt, beginnt eine heftige und lange Regenschauer. Ich sitze unterm Sonnenschirm im Trockenen.  Der Regen dauert länger als ich hoffe, so komme ich auch noch in den Genuss einer belgischen Waffel mit Vanille-Eis zum Nachtisch. Ich denke: Das hab ich mir nach der Bergprüfung auch verdient und wer weiß, ob ich in der Jugendherberge noch ein Abendessen nachbuchen kann. Auch hier liege ich richtig.  Nach langem Warten hört der heftige Regen auf und ich fahre mit starken Antritt und gut gestärkt die letzten km zur Jugendherberge in Traben-Trarbach.

Die DJH liegt doch höher am Berg als ich berechnet und erwartet habe. Bei der Auffahrt gebe ich zum Schluss klein bei und schiebe die letzten Meter. Ich komme von außen zwar trocken an, aber von Ihnen bin ich zu guter Letzt mächtig ins Schwitzen gekommen.

Die Ausstattung der Familienjugendherberge ist eher einfach. W-LAN funktioniert nur im Foyer. Handy-Empfang gibt’s nicht. Dafür ist die Aussicht klasse. Der Preis ist sehr günstig. Inzwischen scheint auch die Sonne und es ist warm. Heute am Sonntag bin ich fast der einzige Gast. Ab morgen ist wieder hier alles komplett belegt.

Bilder des Tages

2015-06-20 Siebter Tag Cochem

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.

Etappe Koblenz-Güls bis Cochem-Ernst

Tatsächliche Route vom 20.06.2015

Tageskilometer: 53 km
Streckenabschnitt insgesamt: 352 km

volle Distanz: 52815 m
Maximale Höhe: 115 m
Minimale Höhe: 61 m
Gesamtanstieg: 369 m
Gesamtabstieg: -335 m
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My Camino

Das Zimmer im Hotel ist einfach. Das Personal freundlich und das Frühstück gut. Mehrere Gäste im kleinen Hotel bemerken am Gepäck meine Jacobsmuschel und stellen Fragen, die ich gerne beantworte. Die Chefin hat sogar einen Pilger-Stempel für mich. Während des Frühstücks setzt sich ein erfahrener Radfahrer mit an den Tisch. Und was soll ich sagen: Wir kommen natürlich ins Gespräch. Er ist von Bonn aus den Rhein runter und dann die Mosel rauf bis Trier. Jetzt ist er auf dem Rückweg. Auf dem Hinweg ist er direkt an der Mosel lang. Die Landschaft ist schön aber der Fahrradweg führt oft direkt an der Straße lang. Auf dem Rückweg ist er den Mosel-Höhenweg gefahren. Das finde ich erstaunlich, weil das eigentlich ein Wanderweg ist.

Um 9:00 Uhr sitze ich im Sattel, fülle im Getränkemarkt mein Mineralwasser auf und fahre dann hinunter zur Mosel. Der Radweg verläuft nah am Ufer. Die Landschaft und der Streckenverlauf ist zunächst idyllisch. Es ist mit 14°C bis 15°C sehr erfrischend. Der Himmel ist bedeckt; aber in Fahrtrichtung wird es heller.

Das Moseltal ist eng und schon bald verläuft der Radweg parallel zur Straße B416 – suboptimal 😉
Das schmale Moseltal müssen sich Weinberge, Moselfluß, Radweg, Straße, Schiene, Ortschaften, Kirchen und Burgen teilen.  Da wird’s halt manchmal eng und laut. Die Nahverkehrszüge und die  Bromfiets und Motorfiets  mir gelben Nummernschild dominieren ab und an die Geräuschkulisse. Aber ich will nicht meckern, wer selber ein Auto fährt oder das Fahrrad in den Zug packt, braucht auch die Infrastruktur.

In Pommern mache ich Mittag. Es gibt Wasser, Erbsensuppe und Kaffee. Und über die Infotafel am Imbiss erfahre ich, dass hier vor mir die Kelten, die Römer und die Moselfranken und andere auch schon Mittag gemacht haben. Nach dem Essen quietscht meine Sattelstütze. Da muss eine Lösung her …

Cochem ist – wie ehemals – von Bus-Touristen geprägt. Beim Jugo – pardon beim Landsknecht gibt’s einen schönen Moselblick und guten Kaffee. 🙂 Dazu Ballermann-Musik 🙁 Erfreulicherweise kann ich in einem Andenkenladen einen neuen Verschluss für meinen Jocobsweg-Anstecker erwerben.  Der alte Verschluss sowie meine Wasserflasche gehören zu den leichten Verlusten der ersten Tage. Außerhalb von Cochem kann ich direkt an der Mosel eine neue Wasserflasche kaufen. Die alte hab ich leider in einer Unterkunft vergessen. Und der 2Rad-Techniker Daniel kümmert sich fettenderweise um meine Sattelstütze. Er entdeckt natürlich meine Jacobsmuschel und wir reden übers Fahrrad fahren und pilgern und übers Pause machen.

Das Ziel ist heute der Weinort Ernst – einige Kilometer hinter Cochem. Ab heute habe ich keine Unterkünfte mehr vor gebucht und ich kann bezüglich Strecken und Übernachtungen viel freier agieren. Nach einem schwärmenden Tipp von anderen Radfahrern aus Bremen hab ich via Mail  gestern die Unterkunft in Ernst angefragt und heute bestätigt bekommen.

Heute ist außerdem Waschtag. Einen Wäscheservice hat das Weingut leider nicht, aber die Wirtin Inge ist sehr entgegenkommend und wäscht mal eben eine Maschine für mich. – Super!

Die Wirtin Inge gibt mir nach dem vorzüglichen Abendbrot (Hühnersuppe, Brot, Wurst und Wein) einige Tipps (u.a. Beilstein) für die morgige Streckenführung.

Übrigens heute ist mein siebter fernsehfreier Tag – wohltuend. Ich brauche den Abend, um die meist wunderbaren und manchmal merkwürdigen Eindrücke des Tages zu verarbeiten. – Wunderbar, diese Zeit zum Innehalten. Mir geht’s gut.

Ach ja, die Pferdesalbe hat mal wieder funktioniert. Man muss halt nur dran glauben. Mein rechter Arm ist wieder völlig entspannt – fast jedenfalls. 😉

Ich sitze auf dem Balkon und schaue in die Weinberge – Steillage, wie die Wirtsleute sagen. Steillage so nennt sich auch das heutige Abendbrot und natürlich ist der Wein auch aus der Steillage.

Bilder des Tages

2015-06-19 Sechster Tag Koblenz

Die Planung zu dieser Etappe findest Du hier.
Den gesamten realen Verlauf des Streckenabschnitts findest Du hier.

Etappe Remagen-Koblenz

Tatsächliche Route vom 19.06.2015

Tageskilometer: 58 km
Streckenabschnitt insgesamt: 299 km

volle Distanz: 57188 m
Maximale Höhe: 96 m
Minimale Höhe: 54 m
Gesamtanstieg: 555 m
Gesamtabstieg: -539 m
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My Camino

Ein sehr gutes Hotel mit all den gestern beschrieben Vorzügen. Selbstredend ist da auch das Frühstück sehr gut. Und das alles zu einem wirklich günstigem Preis. (65,- €) Aber ich will weiter. Packen, aufsatteln ein letzter Blick ins Rheintal von hier oben. Um 9 Uhr geht’s die steile Abfahrt vorsichtig herunter.

Am Rhein teilen sich Radweg, Bahn und Autos das oft schmale Tal. Die Radwege sind angenehm zu fahren und ich komme gut voran. Die Rheinpromenaden sind teilweise sehr gelungen angelegt. Allerdings ist auch manchmal die Gastronomie auf Bus-Touristen extrem zugeschnitten. Mir kommt in den Sinn: „Mehr Masse als Klasse“ und ich trete in die Pedale. Die Fahrt ist erfrischend (13°C bis 14°C) und der Himmel ist bedeckt. Weiter hinten sieht es am Horizont nach Regen aus, das meint auch meine Wetter-App.

Natürlich komme ich auch an der Brücke von Remagen vorbei. Man sieht noch die Reste. Hier befindet sich ein „Friedensmuseum„.

In Bad-Bresig nehme ich die Fähre auf die rechte Rheinseite. Dort will ich ein Stück den Limesweg entlang radeln. In Hammerstein löse ich mich vom Ufer und fahre in die beginnenden Weinberge. Zunächst läuft alles prima, dann schickt uns Radfahrer allerdings eine größere Straßenbaustelle noch höher in die Weinberge. Die Auffahrt schaffe ich nur schiebend. Und damit mir bei Schieben nicht zu warm wird, setzt zur Kühlung der Nieselregen ein. Die Weinstöcke enden und ich kann hier unter einer Tanne schauern. Da taucht kurze Zeit später auch Rolf auf. Rolf lebt und arbeitet hier. Er schimpft übers Wetter und die nicht fertig werdende Dauerbaustelle. Wir kommen ins Gespräch über seinen Weinbau- und Wohnort Leutesdorf und seine Arbeit in drei Schichten bei dem Traditionsunternehmen Walzwerk Rasselstein. Dort macht er Weißblech.  Ich erzähle natürlich von My Camino. Wir erzählen und hören uns abwechselnd gegenseitig zu.  Der Regen hört auf und wir ziehen weiter. Später schauere ich ein weiteres Mal in den Weinbergen in einer Schutzhütte. Rolf gibt mir noch weitere Tipps  für die Streckenführung und die heutige Weiterfahrt über Neuwied und Wied. – Danke Rolf und alles Gute!

Zwischen Leutesdorf und Feldkirchen verlasse ich die Weinberge und nähere mich wieder dem Rhein.  Ab Irlich fahre ich wieder direkt am Ufer. Ab und zu nieselt es leicht. Meist ist es trocken und ich kann weiterfahren. Den von Rolf für die Mittagspause empfohlen Schlossgarten in Neuwied lasse ich aus, denn solange es nicht regnet will ich Strecke machen.  In Neuwied fahre ich parallel zur B256 über die große Rheinbrücke zurück auf die linke Rheinseite. In Weißenturm schauere ich erneut. Diesmal an einer überdachten Bushaltestelle und ich esse zum Mittag einen Apfel und trinke meine Wasservorräte auf. Danach fahre ich direkt zum Ufer und Koblenz winkt.

Ab Kesselheim muss ich den Hafen umfahren und einer langen, aber sehr gut ausgeschilderten Umleitung für Radfahrer bis zur Balduin-Moselbrücke folgen. Dann fahre ich natürlich über den historischen Florismarkt zum Deutschen Eck. Am Kiosk fülle ich meine Wasservorräte wieder auf.

Am Deutschen Eck ist trotz des mäßigen Wetters, wie erwartet, viel los. Ich halte Ausschau nach jemanden der mit dem Handy fotografiert und lerne bei dieser Gelegenheit Pauline und Hank aus den Niederlanden kenne. Die beiden kommen aus Montfort etwa 8 km südlich von Roermond. Wir fotografieren uns gegenseitig und kommen ins Gespräch. Pauline erzählt von diesem Urlaub und der heutigen Anfahrt per Bahn. Ich erzähle von Hünxe und kurz von meiner Zeit beim niederländischen Konzern Philips. Die beiden sprechen ausgezeichnet deutsch. Wir reden noch über Sprachen und Akzente. Da entdeckt Hank meine Jacobsmuschel am Fahrrad  und wir reden natürlich über My Camino.

Dann breche ich auf in Richtung Hotel nach Koblenz-Güls, dem Tor zur Mosel. Hier verläuft der Jacobsweg über die Eisenbahnbrücke. In Güls angekommen schauere ich in einer Hofeinfahrt ein weiteres mal. Ich vollende mein Mittagessen mit einem zweiten Apfel,  😉

Auf dem Weg zum Hotel mache ich einen ersten Zwischenstopp bei der Apotheke und kaufe eine kleine Tube Pferdesalbe. Meine rechte Schulter kann davon etwas vertragen.  Beim Metzger decke ich mich mit meinem Budget-Abendbrot ein. Es gibt Mett- und Fleischwurst mit zwei Brötchen. Dann muss ich schon wieder kurz schauern. Dort treffe ich Detlev, der mir das Hotel empfiehlt. Darüber hinaus kommen wir natürlich ins Gespräch als er mein Fahrrad entdeckt ….

Bilder des Tages